Frank hat laufend was erlebt…

auf der Autobahn.

Manchmal erlebt man laufend etwas Besonderes, oft ganz unerwartet. Vor ein paar Tagen wollte ich von meiner Arbeitsstelle in Hamm aus bis zu meiner Freundin Regina nach Dortmund laufen. Für einen Nach-Feierabend-Lauf in die Dunkelheit hinein war mir die Strecke allerdings zu weit. Daher fragte ich einen Arbeitskollegen, der sowieso in Richtung Dortmund fährt, ob er mich nicht ein Stück mitnehmen könnte. Die Autobahnabfahrt, die mir vorschwebte, lag für ihn aber recht ungünstig. Daher verabredeten wir, dass er mich auf der A1 am letzten Parkplatz vor dem Kamener Kreuz raus lässt. Von dort würde ich schon weiter kommen. Zu Fuß kommt man immer von einem Parkplatz herunter… dachte ich.

Gesagt, getan. Wir fuhren abends in der Dämmerung auf die Autobahn, die im Feierabendverkehr sehr stark befahren war. Nach einigen Kilometern erreichten wir den besagten Parkplatz. Mein Kollege hielt kurz an, ich stieg aus und er rauschte direkt wieder weiter.

20160203_172053-1Nun stand ich zwischen Sattelschleppern, Reisebussen und PKWs auf dem Autobahnparkplatz und orientierte mich erstmal. Irgendwo musste hier doch eine Zufahrt für Rettungsfahrzeuge oder für die Straßenunterhaltung sein. Nichts zu sehen. Ich schlenderte neben den parkenden Autos den Parkplatz entlang. Die Wiesenfläche wollte ich nicht betreten, weil man nie weiß, was da so rumliegt. Seitlich hinter der Wiese konnte ich einen zweieinhalb Meter hohen Drahtzaun sehen, der den Parkplatz einschloss. Und dieser Zaun hörte einfach nicht auf. Der Parkplatz war durch ihn vollkommen von seiner Umgebung abgeriegelt.

Aber ich war doch Läufer. Das konnte doch kein Problem sein. Irgendwie musste ich doch hier wegkommen. Ich kam bisher immer irgendwie weiter. Als ich das Ende des Parkplatzes erreichte und immer noch keinen Ausgang gefunden hatte, kam etwas Verzweiflung in mir auf. Was sollte ich nun machen? Per Anhalter weiter fahren? Telefonieren und mich hier abholen lassen? Das wäre ja voll peinlich.

Ich entschloss mich dazu, hinter der Leitplanke an der A1 entlang zu laufen. Hier konnte man die Wiese in Bezug auf „Tretmienen“ bestimmt gefahrloser betreten, was mir inzwischen aber auch egal war. Nur… dort war überhaupt keine Wiese. Der Bereich hinter der Leitplanke war 80 cm hoch mit Dornenbüschen zugewuchert. So weit man schauen konnte. Wer denkt sich so was aus? Und warum? Nach etwas Nachdenken kam mir aber die Erleuchtung. Damit Fußgänger wie ich sich hier nicht herumtreiben. Na klar. So war an Laufen gar nicht zu denken.

Während die Fahrzeuge in ein paar Metern Entfernung hinter der Leitplanke an mir vorbei donnerten, stapfte ich mit Riesenschritten durch das dornige Gestrüpp. Ich versuchte von oben auf die Sträucher zu treten, blieb aber trotzdem an zig Stacheln hängen und zerkratzte mir ordentlich die Hosenbeine und die Haut darunter. Nach ein paar hundert Metern, für die ich ungefähr 20 Minuten gebraucht habe, hörte die mich schützende Leitplanke plötzlich auf. Grmpf. Was nun? Ich konnte hier nicht einfach neben der Autobahn hergehen. Das wurde langsam richtig gefährlich.

Ich stapfte nach rechts eine Böschung hinauf. Oben sah ich immer noch den hohen Drahtzaun und dahinter einen unendlichen Wald. Ich kam hier einfach nicht weg und auch hier waren immer noch die Dornenbüsche.

Weitere 15 Minuten und 200 Meter später endete die Böschung und ich war wieder an der leitplankenlosen Autobahn. Geradeaus wurde es nun wieder lebensgefährlich und ich sah nur noch einen Weg. Ich musste irgendwie über den Zaun. Also arbeitete ich mich wieder an den zweieinhalb Meter hohen Zaun heran und kletterte mit viel Hampelei darüber. Auf der anderen Seite stand ich wieder in Dornenbüschen und hoffte, dass ich nicht gerade die Umzäunung eines Wildschweingeheges überklettert hatte. Nach weiteren 200 Metern erreichte ich mit kaputter Laufhose und zerkratzten Beinen endlich einen Waldweg. Dieser führte mich schließlich zu einer Straße und ich war wieder „auf normalen Wegen“ unterwegs. Boah. Was ein Abenteuer. Für ungefähr 700 m habe ich locker eine dreiviertel Stunde gebraucht.

Die Erkenntnisse des Tages: Nicht alle Autobahnparkplätze haben Zuwege. Und Laufen auf Autobahnen ist lebensgefährlich und dauert irgendwie die zehnfache Zeit. Laufen kann man meine Fortbewegungsart eigentlich auch gar nicht nennen. Eher schmerzvolles, Beine zerkratzendes Stapfen. Nicht zur Nachahmung empfohlen. 🙂

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