Eigentlich stehen die Zeichen auf Regeneration

Tja… eigentlich…

Zwei Wochen ist der Mauerweglauf nun her und irgendwie habe ich ihn immer noch nicht so ganz verdaut. Ich bin seit dem nur zweimal 5 km durch unseren Wald getrabt. Ganz gemütlich. Laufen fürs Wohlfühlen. Regeneration steht im Moment im Vordergrund. Auch im Kopf. Aber gestern wollte ich mal wieder einen Laufwettkampf besuchen. Es sollte der Mendener Waldlauf sein, bei dem die längste Strecke 20 km beträgt. Oder besser gesagt: betrug. Denn seit diesem Jahr kann man nicht unbedingt „nur“ die drei Runden für den 20er laufen, sondern man kann bis zu vier Runden dran hängen. Ein Baukasten-Prinzip. So ähnlich wie in Bad Salzuflen.

(Foto von Kosta Kotolas)

Im Startbereich treffe ich einige Lauffreunde und wir überlegen jeder für uns  selbst, wie viele Runden wir denn so laufen wollen. Drei, vier… oder alle sieben. Keine Ahnung. Ich möchte erstmal in mich reinfühlen, wie sich das Laufen gleich anfühlt. Irgendwas mit Fühlen. Und nicht mit Denken oder Planen. Tja… nur bin ich ja eigentlich Marathonsammler. Und so schlummert in meinem Hinterstübchen eigentlich schon der Entschluss, ganz zu laufen. Eigentlich. So ist das eben manchmal. Der Verstand diskutiert noch und sucht Gründe. Man macht sich selbst etwas vor und man wägt ab, sucht Gründe für oder gegen eine Entscheidung. Und eigentlich steht es schon lange fest.

(Foto von Kosta Kotolas)

Wir müssen anderthalb Kilometer in den Wald hinein marschieren, um zum Startpunkt zu kommen. Ab hier starten dann die mehr oder weniger vielen Runden und man entscheidet dann selbst, wann man von der Strecke abbiegt und zum Ziel zurück läuft. Kurz vor dem Start bekommen wir noch eine Einweisung von einem „Feldwebel“ und dann starten wir auf die erste Runde. Es geht nun fast ausschließlich  über Waldwege stetig auf und ab und mir wird klar, dass Menden nun mal im Sauerland liegt. Knapp 100 Höhenmeter hat jede Runde und das ein oder andere Stück bergauf marschiere ich nur hoch. Schließlich bin ich ja noch im Regenerationsmodus nach Berlin. Ich wollte ja nur mal wieder etwas Wettkampfluft schnuppern. Eigentlich.

(Foto von Kosta Kotolas)

Nach drei Runden habe ich nun die Möglichkeit, aufzuhören. Dann hätte ich 20 anspruchsvolle Kilometer auf dem Zähler. Das würde ja eigentlich reichen. Aber das Hinterstübchen überredet den Verstand, noch eine dranzuhängen. Also laufe ich weiter. Den meisten anderen Teilnehmern reichen aber wohl die drei Runden, denn es wird nun merklich leerer auf der Waldrunde. Zwei Verpflegungsstellen gibt es, an denen es Getränke und Süßes gibt. So hat man immer ein Etappenziel für die nächsten Kilometer und man arbeitet sich recht angenehm durch die Runde. Nach der vierten Runde überlege ich wieder und ich laufe auch jetzt weiter. Und nach der fünften Runde das Ganze nochmal. Tja… und Aufhören wäre jetzt auch blöd. Also ist der Entschluss jetzt gefasst. Ich laufe durch.

Laufkumpel Joachim läuft auf mich auf und wir bestreiten nun die beiden letzten Runden gemeinsam. Da wir überhaupt keine Mitläufer mehr wahrnehmen, fragen wir an der Rundenzählung nach. Dort bekommen wir es bestätigt: Wir sind die Letzten. Fast alle anderen haben vorher aufgehört. Die meisten wirklich nach 20 Kilometern und einige dann nach vier, fünf oder sechs Runden. Nur sechs Läufer und zwei Läuferinnen haben sich alle sieben Runden unter die Sohlen genommen. Und damit sind wir nicht nur die letzten beiden Läufer auf unserer Distanz von 46 Kilometern mit 700 Höhenmetern sondern auch überhaupt. Cool. Mal eine ganz neue Erfahrung. 😀

Nach unserer siebten Runde ist das Handgelenk voller Rundenbändchen. Wir bedanken uns bei den netten Besatzungen der Verpflegungsstände und bei den Sanitätern, die die ganze Zeit auf uns aufgepasst haben. Und dann laufen wir die anderthalb Kilometer bergab zum Zielbereich. Dabei erhöhen wir sogar noch unser Tempo und wir schaffen fast einen richtigen Endspurt. Fast. 😉 Gemeinsam überqueren wir Hand in Hand die Ziellinie und freuen uns darüber, dass wir heute „spontan“ einen Ultra gefinisht haben. Wir bekommen hier eine Zielbratwurst, gönnen uns ein alkoholfreies Bierchen und feiern mit unseren inzwischen schon geduschten Lauffreunden den schönen Lauftag. Tja… habe ich das eigentlich schon vorher entschieden? Irgendwo im Unterbewusstsein? Oder war das wirklich spontan? Manchmal macht man sich selbst etwas vor. Wahrscheinlich wusste ich vorher, dass ich hier die vollen Runden laufe. Ich wusste es nur noch nicht. Oder so ähnlich. 😉

Der „neue“ Mendener Waldlauf ist eine klasse Veranstaltung. Sie verträgt noch viel mehr Teilnehmer, vor allem auf den Runden nach den 20 Kilometern. Das neue Baukasten-System muss sich wohl erst noch herumsprechen. Dann wird es voll im Mendener Wald. Und ich regeneriere jetzt mal zügig weiter. 🙂

4 thoughts on “Eigentlich stehen die Zeichen auf Regeneration

  1. Da geht mir doch das Herz auf! Hab‘ mich riesig gefreut über diesen so vortrefflich geschriebenen Läuferkommentar. Und nächstes Jahr wiederkommen und noch ein paar Laufverrückte mitbringen!

  2. Herzlichen Glückwunsch zum schönen Finish und vielen Dank für Deinen Bericht!
    Da muss ich wohl nächstes Jahr meinen Urlaub so legen, dass er entweder im Sauerland stattfindet oder ich anderweitig die Teilnahme ermöglichen kann. Hatte mich schon sehr geärgert, hier beim neuen Debut nicht dabei sein zu können.
    Dank Deines schönen Berichtes weiß ich nun zumindest, dass es wirklich lohnt, den Termin für 2018 festzuhalten!

    Und nun, alter Schwede, mal ein bißerl die Füße hochlegen – bis zum nächsten (un-) geplanten M/U 😉 ?

    LG,
    Finny

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