Noch ein paar Gedanken im Wald

Wir haben Samstagnachmittag, 28. März 2020. Wir sind wieder unterwegs. In unseren Wäldern und über unsere Felder. Wir haben strahlend blauen Himmel und es ist recht warm. Herrlich. Für diese Jahreszeit perfektes Laufwetter. Kerstin und ich wollen heute etwas länger laufen und einfach die Natur und den Frühling genießen. Denn heute haben wir noch Winterzeit und Frühlingswetter. Wenn in der kommenden Nacht die Zeit eine Stunde vorgestellt wird, haben wir morgen dann Sommerzeit. Aber laut Wetterbericht spielt das Wetter da nicht mit. Ab morgen soll es nochmal kalt werden. Vielleicht sogar mit Schneeregen. Brrrrr…. Also genießen wir den wunderschönen Frühlingstag nochmal so richtig. In vollen Zügen.

Die Liste der abgesagten oder verschobenen Laufveranstaltungen wird immer länger. In Dortmund sind schon der AWO-Lauf und der B2Run abgesagt. Der Campuslauf findet erst im Juli statt. Der Rest beobachtet die Situation und entscheidet dann in Kürze. Auch das Orgateam des Buchenwaldlaufs in Welver hat schon reagiert: Abgesagt! Und viele große Frühjahrsmarathons sind ebenfalls abgesagt oder auf der Suche nach neuen Terminen im Herbst. Es wird nur sooo viele freie Termine im Herbst gar nicht geben, da ja auch in normalen Zeiten der Herbst voll von Großevents ist. Wie sollen da noch die Frühjahrsläufe reingequetscht werden? Da gibt es bestimmt noch viel Durcheinander… in der Hoffnung, dass wir im Herbst überhaupt schon wieder Events durchführen dürfen. Wer weiß…

In der letzten Woche ist nun auch mein diesjähriges Jahreshighlight auf das nächste Jahr verschoben worden: die eigentlich im Zweijahresrhythmus stattfindende TorTour de Ruhr läuft erst an Pfingsten 2021. Verschoben um ein Jahr. Ich denke nun schon wieder so lange an diesen Lauf und trainiere darauf hin. Und jetzt findet er nicht statt. Das ist sehr schade und mit gespaltenen Gefühlen streiche ich mal wieder auf unserem Laufkalender herum. Schade. Aber… die absolut richtige Entscheidung. Die meisten TorTour-Teilnehmer nutzen viele Veranstaltungen, die eigentlich gerade jetzt stattfinden würden, als Training. Und wer weiß, ob wir uns Ende Mai überhaupt wieder zusammen in größeren Gruppen durch die Welt bewegen dürfen. So ist es besser, dass wir jetzt schon wissen, woran wir sind. Dann erlaufen wir uns eben die Ruhr im kommenden Jahr. Die Enttäuschung über die Absage weicht recht schnell der Akzeptanz, nun noch ein Jahr warten zu müssen.

Apropos Akzeptanz… während wir durch die Frühlingsluft laufen, unterhalten wir uns darüber, wie schnell wir die aktuelle Situation akzeptiert haben. Und mit WIR meine ich uns alle. Bis auf wenige Ausnahmen, die auch im Supermarkt mal durchticken und die einen Sitzstreik auf dem Warenband an der Kasse machen, weil die Kassiererin sich weigert, einen Einkaufswagen voller Klopapier abzukassieren, gehen eigentlich die meisten Menschen gut und gelassen mit der Situation um. Wir haben es schnell angenommen, dass wir die meiste Zeit zuhause verbringen sollen. Dass wir jeden Tag im Fernsehen Zahlen präsentiert bekommen, die wir irgendwie als „Corona-Barometer“ sehen und gar nicht wirklich als Zahl von kranken Menschen und Opfern mit den vielen Schicksalen dahinter. Dass wir vor unserem örtlichen Drogeriemarkt draußen im 2-Meter-Abstand vor dem Laden warten müssen, um einzeln nach und nach hereingelassen zu werden. Dass wir manche Produkte nicht mehr einfach im Supermarkt bekommen können. Dass wir nun schon seit zwei Wochen kein Restaurant und keine Pommesbude mehr betreten haben. Und dass wir beim Spazieren oder Laufen gehen immer dafür sorgen, dass genügend Abstand zu anderen Menschen eingehalten wird. Eigentlich finde ich das wirklich erstaunlich, dass das alles so gut funktioniert. Wir halten uns an die Regeln und versuchen alles, um als große Gemeinschaft gesund aus der gegenwärtigen Misere herauszukommen. Und eigentlich finden wir das richtig klasse, dass wir gemeinsam können, wenn wir gemeinsam wollen. Wir sollten froh und glücklich sein, dass wir in Deutschland leben und nicht von apricotfarbenen Regierungschefs mit offenen Augen noch weiter ins Elend gestürzt werden. Es ist kaum zu glauben, was sich im mächtigsten Staat der Welt gerade tut. Wie hilflos das ganze Land gegen den Virus zu sein scheint. Von anfänglichem Verleugnen über „Jetzt gehen wir voll dran.“ bis zu „In zwei drei Wochen ist alles vergessen“, ändert der mächtigste Mann der Welt fast täglich seine Richtung. Hilfe…

Unser Lauf führt uns inzwischen auf die Strecke der Marathonroute rund um Welver. Heute wollten wir hier eigentlich einen ruWel laufen. Mit vielen Lauffreunden als gemeinsamen Gruppenlauf. Aber auch den mittlerweile 15. ruWel haben wir verschieben müssen. Auf demnächst. Wir freuen uns schon darauf, mit unseren Freunden wieder die leicht hügelige und fast immer windige Runde unter die Sohlen nehmen zu können. Bis dahin werden wir weiter zu zweit durch die Gegend traben. Nur hier in unserer Heimat. Ohne unnötig Auto zu fahren. Zuhause. Wir leben das „#Stayathome“, das inzwischen auf jedem TV-Kanal eingeblendet ist.

Wir halten weiter durch. Gemeinsam. Wir versuchen, den Virus zu schwächen. Die Epidemie zu verlangsamen. Wir halten uns an die Regeln und bleiben, wenn möglich, zu Hause. Wir sind Laufsportler. Wenn wir eins können, ist es Durchhalten. Aushalten, auch wenn es mal wehtut. Und trotzdem den Weg genießen, auch wenn er mal steinig oder schwer ist. Zähne zusammenbeißen, Arschbacken zukneifen und weiter. Dem Ziel entgegen. Immer Schritt für Schritt. Nach Corona kommen wieder andere, normalere, bessere Zeiten. Irgendwann… bald… und dann laufen und feiern wir. Alle gemeinsam. Wir freuen uns darauf.

Bis bald… im Wald.

P.S. Übrigens würden wir in einem unserer Supermärkte gerne mal ein Pfund Mehl erwischen. Nur ein Päckchen. Nicht zum Hamstern sondern zum Kuchen backen. Einfach mal Glück haben und nur ein Päckchen Mehl mitkriegen. Das wäre was. 😉

Noch ein P.S. Die Frau mit dem kleinen Hund hat immer noch Panik, wenn wir uns begegnen. Wenn sie uns aus 30 Meter Entfernung sieht, dreht sie um und rennt mit ihrem Hund weg. Hilfe… Bitte: Bleibt gelassen!

4 thoughts on “Noch ein paar Gedanken im Wald

  1. Hallo ihr ZWEI
    Wisst IHR worauf WIR uns jetzt schon freuen, egal wie lange es noch dauert ????
    Wenn WIR UNS ALLE GESUND in den Armen liegen und UNS vor GLÜCK ein paar Tränen übers Gesicht “kullern” werden.
    … also bleibt ALLE GESUND, ROSA und ICH freuen uns auf ein baldiges WIEDERSEHEN !
    ZWEI GLG aus Dortmund ROSA und DETLEV

  2. Hallo Ihr Lieben,

    ich finde es prima, dass ihr mit so gutem Beispiel voran geht und das auch hier kundtut! Ihr erreicht eine große Läufergemeinde und Eure Zeilen hier sind ein vollkommen richtiges Signal. Danke dafür!

    Ich wünsche Euch und uns allen, dass wir bald schon wieder gemeinsam um Häuser, Bäume und Berge ziehen können und vor Allem, dass so wenig wie möglich Erkrankungen weiterhin ihr Unwesen treiben und unsere Welt erschüttern!

    Alles Gute und weiterhin trotz fehlender Wettkämpfe viele schöne Laufkilometer!

    LG,
    Finny

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