Laufen unterm Förderturm

Vor ziemlich genau 20 Jahren wandelte ich mich vom „Ab und zu durch den Wald Traber“ zum Läufer. Nach meiner ersten Teilnahme an einer Laufveranstaltung beim Silvesterlauf Werl-Soest 1999 fing ich Feuer und meldete mich direkt danach bei „Rund um Flierich“ an, der Bönener Laufveranstaltung, die immer am zweiten Sonntag im Jahr läuft. In den darauffolgenden Jahren war ich dort ganz oft und es wurde zum jährlich wiederkehrenden Ritual: zuerst der Silvesterlauf, dann Flierich, dann die Hammer Laufserie. Irgendwann Jahre später wandelte ich mich dann zum Viel- und Ganzlangläufer. Und da passten 10er nicht mehr in den Ablauf sondern eher die Jahresauftaktmarathons bei unserem Dortmunder Lauffreund Hans.

Inzwischen machen 10er aber ab und zu auch mal wieder mehr Spaß und so fuhren wir in diesem Jahr wieder nach Bönen. „Rund um Flierich“ ist vor vier Jahren abgelöst worden durch den „Lauf am Förderturm“ und so fanden wir uns am 12. Januar pünktlich zu dritt in Bönen am Förderturm der ehemaligen Schachtanlage Königsborn 3/4 ein. Vor einem halben Jahr waren Kerstin und ich schon hier zum 6-h-Lauf Bönen. Jetzt kam Marie mit, die recht spontan ihren zweiten richtigen 10er unter die Sohlen nehmen wollte. Sie trainiert bis zu 6 oder 7 km, oft am Phoenixsee oder in anderen Dortmunder Ecken. So hatte sie jede Menge Respekt vor dem 10er. Die Aufregung sah man ihr durchaus an.

Jede Menge Lauffreunde waren vor Ort, viel Gequatsche und Fachgesimpel überbrückten die Zeit bis zum Start und dann ging es pünktlich um 11:00 Uhr los. Wir verließen das Zechengelände; die anschließende Startschleife liefen wir zu dritt in einem „Unter6-Tempo“, was für Marie schon richtig schnell war. Dann kamen wir auf den Seseke-Weg, der sofort unser Interesse geweckt hatte. Entlang des Flüsschens Seseke schlängelt sich ein recht neuer Fuß- und Radweg, der richtig schön anzusehen ist. Auch jetzt im Winter. Und Kerstin und ich entschlossen uns noch unterwegs, diesen insgesamt 25 km langen Weg von Bönen nach Lünen in Kürze mit Videokamera zu begutachten. Unser nächstes Flusslaufprojekt.

Marie schnaufte ganz schön und ließ hin und wieder mal abreißen. Sie kämpfte ganz schön, um das Tempo beizubehalten. Nach dem Wendepunkt bei KM 6 fing ich dann an zu reden. „Guck mal da vorne der Schwarze. Den kriegen wir jetzt gleich!“ Kurz danach: „Jetzt da vorne der Rote. Der läuft nur genauso schnell wie der Schwarze. Den kriegen wir jetzt auch noch!“ Und so weiter. Ich habe Marie versucht zu zeigen, wie man sich an andere Läufer heranzieht, die im Kopf dann einfach nur nach ihrer Shirt- oder Jackenfarbe benannt werden. Das eigentlich Lustige ist dabei, dass diese anderen Läufer davon gar nichts wissen. Weder wie sie bei uns „heißen“, noch dass sie uns im Schlepptau haben. 😉

Als der Förderturm wieder in Sicht kam, weckte dieser Anblick bei Marie die letzten Kraftreserven und sie erhöhte stark schnaufend ihr Tempo auf dem letzten Kilometer. Sogar einen klasse Schlussspurt bis hinein ins Ziel hat sie noch hingelegt. Nach ein paar Sekunden über einer Stunde erreichten wir schließlich das Ziel und freuten uns dann erstmal über Maries tollen Lauf. Ihr zweiter richtiger 10er. Herzlichen Glückwunsch, Marie.

Nach einiger Ausruhzeit unten im Förderturm bei Tee, Kaffee und Kuchen musste ich dann schmunzeln, als Marie anfing, sich über die paar Sekunden zu ärgern, die wir mehr als eine Stunde gebraucht haben. „Die wenigen Sekunden wären vielleicht auch noch drin gewesen!“ So ist das eben. Das kenne ich ja von mir auch. Im Ziel bricht man fast zusammen. Und eine halbe Stunde später denkt man, man hätte auch noch etwas schneller sein können.

So ist das Ziel für den nächsten 10er aber nun gesteckt: 10 km unter einer Stunde. Wir freuen uns darauf, das dann mit Marie erleben zu dürfen. Aber erstmal geht es nun am kommenden Sonntag beim WelverCross weiter.

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