Läufer auf den Spuren

… von Minister Stein und Fürst Hardenberg

Hammerkopf

Bei herrlichem Herbstwetter machten sich am Mittwoch 28 Läufer auf den Weg, um die Bergbau-Geschichte des Dortmunder Nordens zu erkunden. Auf dem 20 Kilometer langen Kurs genossen sie die herrliche Aussicht und bekamen spannende Einblicke. Es ist bitterkalt an diesem Mittwochnachmittag. Zwar sorgt die Sonne für einen wunderschönen Tag im Spätherbst, doch die 28 Läuferinnen und Läufer, die sich um 15 Uhr am majestätischen Hammerkopf-Turm der ehemaligen Zeche Minister Stein in Eving treffen, wissen, dass es richtig kalt wird, sobald die Sonne untergegangen ist. Doch das schreckt sie nicht ab, denn sie freuen sich auf ein für Dortmund neues Laufformat: Kulturrunning.

Helmut Bezani, Inhaber der Lauf- und Ausdauerschule „Lauffieber Dortmund“ hatte die Idee, die Stadt laufend zu erkunden. „In bin in Brechten aufgewachsen und Minister Stein lag vor meiner Haustür. Es gibt hier eine große Bergbau-Geschichte, die ich den Menschen gerne näherbringen möchte“, so Bezani. Das beginnt schon mit dem Datum des Laufs. Einige Läufer murren, ob der frühen Startzeit an einem Mittwoch. „Heute ist Barbara-Tag“, erklärt Klaus Berger vom Evinger Geschichtsverein. Was läge also näher als am Tag der Schutzheiligen der Bergleute in die Geschichte des Bergbaus einzutauchen? Die frühe Startzeit erklärt der Laufexperte und Veranstalter Helmut Bezani: „Wir wollten so viel Tageslicht wie möglich mitnehmen.“

Zu Beginn berichtet Herr Dr. Volker Schake, stellvertretender Vorsitzender des Vereins, dass der Bergbau in Eving im Jahr 1871 begann, als Teufbeginn auf Minister Stein war. Zusammen mit der Zeche Fürst Hardenberg bildete Minister Stein in den 1940er Jahren das ertragreichste Bergwerk des Ruhrgebiets. 16.000 Tonnen Kohle wurden pro Tag gefördert. Am 31.3.1987 schloss die Zeche als letztes Bergwerk in Dortmund.

Kranzniederlegung

Einen ersten Zwischenstopp macht der in drei Tempo-Gruppen aufgeteilte Tross am Mahnmal auf dem Nordfriedhof. Am 11. Februar 1925 kamen bei einer Explosion auf Zeche Minister Stein 136 Bergleute ums Leben. Auch die Laufgruppe gedenkt der Toten. Im Anschluss an die interessanten Worte zum Grubenunglück durch den Bergbauexperten Klaus Berger wird vor Ort noch ein Kranz niedergelegt. Es folgen weitere Stationen und weitere Erzählungen. Am Beisenkamp in Kemminghausen entdeckt die Gruppe den ehemaligen Schacht V. Anschließend genießen sie die von der untergehenden Sonne an den Himmel gezauberten prächtigen Farben und setzen ihren Lauf in Richtung Brechten fort.

Dort erwartet sie ein ungeplantes Highlight. Während sie einem weiteren Kurzvortrag des Bergbauexperten lauschen, erscheint ein alter Bergmann in voller Montur – und mit Mundharmonika. Er intoniert das Steigerlied und erzählt mit heiserer Stimme von seinem Beruf unter Tage. Da wird den fröstelnden Sportlern warm ums Herz. „Das war perfekt! Den habe ich nicht bestellt“, gibt Bezani voller Stolz zu. Nach einem Verpflegungsstopp im Vereinsheim des TV Brechten treten die Läufer den Rückweg an. Sie knipsen ihre Stirnlampen an und wirken im stockdunklen Grävingholz selbst wie Bergleute mit Geleucht.

Rund zweieinhalb Stunden nach dem Start stehen die Läuferinnen und Läufer wieder unter dem Hammerkopf. Bezanis Ehefrau Mona hat den Kofferraum ihres Autos geöffnet und bietet heißen Tee und Süßigkeiten. Die Sportler, aber auch Helmut Bezani selbst, ziehen ein positives Fazit: „Es hat allen Spaß gemacht, die Kurzvorträge waren sehr interessant. Jetzt freue ich mich auf die nächsten Kultur-Running-Läufe“, so der Trainer.

Denn der Bergbau-Lauf in Eving soll nur der Auftakt zu weiteren Veranstaltungen gewesen sein. „Die Läufe werden ungefähr alle sechs Wochen stattfinden“, so Bezani. Der nächste Lauf soll Mitte/Ende Januar an einem Samstagvormittag auf Phoenix-West starten. Außerdem plant Bezani eine Bier-Route für Ende Februar/Anfang März und einen weiteren Bergbau-Lauf in Eving, wenn sich die Schließung von Minister Stein zum 33. Mal jährt. Bis dahin wird der 38-Jährige an Details arbeiten – zum Beispiel an der Streckenbeschilderung: „Ich hatte an allen Abzweigen kleine Schilder befestigt. Als ich dann am Morgen vor dem Lauf die Strecke kontrolliert habe, waren fast alle geklaut oder zumindest nicht mehr vorhanden.“ Zukünftig sollen die Strecken auch für Laufanfänger in kürzeren Etappen oder auf Anfrage für Firmen als Wanderung mit kulturellem Hintergrund angeboten werden.

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