Unerwartet zum Sieg

Es ist Sonntag, o2. Juli 2017. An diesem Tag findet er endlich statt: Der LIDOMA IX.
Ein guter und ausreichender Schlaf vor einem langen Lauf ist eben so wichtig, wie eine ausgewogene Ernährung in den Tagen davor. Schlaf wird eindeutig überbewertet! Meine Nachbarn hatten andere Pläne und feierten eine Schlagerparty (wenn es wenigstens Rockmusik gewesen wäre… ). Vor 24 Uhr kein Gedanke an Schlaf und um o3.11 Uhr verabschiedeten sich lautstark die letzten Gäste. Ich döste noch ein wenig, dann klingelte eh der Wecker um o4:3o Uhr. „Wenn es mit dem Schlaf schon nicht klappen sollte, dann wenigstens mit der Ernährung“, dachte ich mir und mein Weg führte mich direkt in meine Küche. (Paprika-)Geschnetzeltes mit Sahnesoße und Piccolini mini Farfalle – das ist doch ein ordentliches (Läufer)Frühstück

Foto von catfun-foto.de

Frisch gestärkt unter die kalte Dusche, dann machte ich mich langsam auf den Weg Richtung Dülmen, um Judith abzuholen. Von dort aus ging es dann weiter ins Ruhrgebiet, genauer gesagt nach Essen zum Gelände des UNESCO Weltkulturerbes Zollverein. Als Gastgeber hat sich Frank diese beeindruckende Kulisse für den LIDOMA IX einfallen lassen. Mehr „Pott“ geht nicht! Um genau o7:oo Uhr waren Judith und ich vor Ort – noch keiner da??? Sind wir überhaupt richtig??? Fragen über Fragen, doch dann entdeckten wir Frank, der bereits emsig damit beschäftigt war, die Strecke zu markieren. Bald darauf trudelten auch andere Läufer, Freunde und Bekannte ein, und der Parkplatz füllte sich. Langsam stieg die Spannung bei mir an, die Startunterlagen abgeholt, die Startnummer sitzt schon, also ich bin bereit… Nach einem Gruppenfoto und einer kurzen Begrüßung durch Frank sollte es dann bald losgehen. 12 Runden zu jeweils 3,55 km galt es an diesem Tag zu bewältigen. Die Strecke war sehr vielseitig, es gab Höhenmeter, einige hundert Treppen, sehr kurvige Schotterwege und asphaltierte Wege. Das Wetter war aber auch sehr vielseitig, es gab etwas Wind, vereinzelt regnete es, aber sonnige Abschnitte waren auch vorhanden. Eigentlich sehr gutes Laufwetter bei angenehmen Temperaturen um die 2o Grad.

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Um o9:oo Uhr erfolgte pünktlich der „Startschuss“ ohne Knall, da es sich um eine Spielzeugpistole handelte. Wie eigentlich (fast) immer stand ich auch an diesem Tag in der ersten Reihe der Startaufstellung. Etwas zögernd setzte sich die „Karawane“ in Bewegung. Bereits nach wenigen Metern waren wir zu dritt schon fast ungewollt an der Spitze. Die erste Runde von insgesamt 12 Runden nicht alleine zu laufen war schon ein Vorteil. Da ich nun wusste, wo die Strecke lang führt, sagte ich noch zu den beiden anderen Läufern, dass andere diesen Lauf gewinnen werden, ich aber trotzdem das Tempo etwas anziehen werde. Eine weitere Herausforderung war auch, dass die Laufstrecke nicht (!) für uns Marathonis abgesperrt war, was bedeutete, dass man auf Fußgänger, Radfahrer und andere Jogger zusätzlich achten musste. Zudem gab es auch noch pro Runde zwei Straßenüberquerungen und man musste verstärkt auf heranfahrende Autos achten. Die zweite Runde war ich dann schneller unterwegs. Es war schon ein mulmiges (besser gesagt ein ungewohntes) Gefühl für mich einen Marathon anzuführen. „Na ja, die anderen werden wohl sehr bald von hinten nachrücken“, hatte ich mir gedacht und ich lief einfach weiter. Plötzlich war ich ganz alleine auf der Strecke, niemand vor mir…

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In der dritten Runde änderte es sich aber, da ich bereits die ersten Marathonis überrunden konnte. Das schöne an 12 Runden ist, dass man immer den gleichen Versorgungspunkt durchläuft. Ich lief mal ohne Halt durch, und bei der nächsten Runde hielt ich für eine kleine Stärkung auch mal an, immer im Wechsel, wie es mir gerade passte. Interessant war auch, dass an dem Versorgungspunkt zwei Helferinnen saßen, die die Runden der Läufer notierten. Immer wenn ich dort vorbeigekommen war, nannte ich meine Startnummer und die Anzahl meiner Runden. Ab der Hälfte kam es mir dann doch etwas „komisch“ vor. Niemand hatte mich bis dahin überholt. Somit lief ich Runde für Runde weiter. Einsame Streckenabschnitte gab es zu diesem Zeitpunkt dann auch nicht mehr, da sich das Läuferfeld längst auf der Strecke auseinander gezogen hat. Den einen oder anderen sah ich dann sogar mehrmals. Ab der achten Runde setzte dann der Regen ein

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Ich legte meine Brille ab, da ich kaum noch etwas gesehen habe. Nass bis auf die Haut, und mit reichlich Wasser in den Schuhen ging es dann aber schnell weiter. Zu Beginn der neunten Runde rief mir jemand zu, dass ich einen sehr großen Vorsprung zum Zweitplatzierten habe. Es war mir noch immer etwas „unheimlich“ einen Marathon anzuführen, einfach unglaublich! Ich begann also mein Tempo etwas zu drosseln und lief weiter. Am Ende meiner elften Runde ertönte eine Kuhglocke, ein Zeichen, dass der erste Läufer in seine letzte Runde geht. Gänsehaut pur!!! Ich war damit gemeint – unbeschreiblich! Es hörte auf zu regnen und etwa 2o Minuten später habe ich es erst wirklich realisiert, was da gleich geschehen wird. Schon aus Entfernung sah ich das gespannte „Flatterband“ (in diesem Falle war es Toilettenpapier) für den Gewinner und damit dem schnellsten Läufer des Tages. Ich riss die Arme hoch und lief durch das „Band“ Ich hatte tatsächlich gewonnen, ohne die Führung jemals während der 42 Kilometer abgegeben zu haben!!! Der laute Applaus war für mich, einfach nur unwirklich.

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Zu Beginn des Marathons habe ich gedanklich damit gespielt, dass ein Platz unter den Top 1o traumhaft wäre, und jetzt das! Da das Ziel auch gleichzeitig der Versorgungspunkt war, setzte ich mich mit meiner Cola auf eine Bank und ließ alles Revue passieren. Für die anderen Marathonis war der Lauf noch nicht vorbei, einer von ihnen holte sich auch ein Getränk, sah mich da sitzen, und kam auf mich zu. Mit einer sehr bestimmenden Stimme sagte er zu mir: „Jetzt hast du mich schon 3x auf der Strecke überholt, mach jetzt nicht schlapp, Alter!“ Ich sagte ihm, dass ich mit dem Lauf fertig sei. Er schüttelte nur seinen Kopf, gratulierte mir und zog davon. Auch eine Art der Anerkennung

Nach etwas mehr als acht Minuten kam der zweite Finisher des Tages ins Ziel. Die erste Frau kam etwa 40 Minuten nach mir rein. Zugegeben, die Zeit für einen Marathon ist zwar nur ein guter Durchschnitt, aber die Strecke war bestimmt nicht durchschnittlich und verlangte dem Läufer alles ab. Nach etwas mehr als zwei Stunden später waren alle Marathonis glücklich im Ziel und es folgte die Siegerehrung der ersten drei Frauen und Männer. Zur Belohnung gab es einen super tollen Pokal, hart verdient, aber man macht es ja gerne.

Vielen Dank Frank Pachura, für diesen unbeschreiblich schönen Lauf und diesen unvergesslichen Tag. DU und dein TEAM seid einfach spitze!!!  Danke auch an Wolfgang Steeg von CatFunFoto für einige der tollen Bilder!

FAZIT: Ich werde noch lange an diesen schönen Tag denken, denn wiederholen kann ich einen Gesamtsieg bestimmt nicht! Muss ich auch nicht, denn der Spaß wird bei mir immer an erster Stelle stehen

von Jürgen Hemesath

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