Doppeldecker bei den Spendenmarathons

Alle zwei Jahre starten im Münsterland die Spendenmarathons „5 in 5 Tagen“. Dabei kann man bis zu fünf Marathons an fünf aufeinander folgenden Tagen laufen. Die Serie beginnt immer am Sonntag vor Ostern. In diesem Jahr wird zuerst in Rheine gelaufen, dann in Emsdetten, in Münster, in Warendorf und abschließend in Oelde. Da die Organisation durch Volker Meyer-Carlstädt ehrenamtlich durchgeführt wird und sämtliches VP-Material wie Getränke, Süß- und Salzkram gesponsert ist, entstehen für diese Marathons keine Kosten. Die Teilnehmer spenden ihren selbstgewählten Teilnahmebeitrag an die Aktion Kleiner Prinz, Internationale Hilfe für Kinder in Not e.V. Dies ist ein gemeinnütziger Verein in Warendorf bei Münster, der sich um Not leidende Kinder in aller Welt kümmert. Man kann sich für beliebig viele Marathons anmelden oder auch nur Teilstücke laufen. Auf jeden Fall bewegt man sich für einen guten Zweck.

Da die Marathonserie „5 in 5 Tagen“ am Sonntag vor Ostern beginnt und ich an diesem Tag meinen 200. MaraUltra auf Föhr laufen will, kann ich leider nicht an allen Spendenmarathons teilnehmen. So starte ich dann erst am Mittwoch in Warendorf. Es geht über die Strecke des Emssee-Halbmarathons. Vier Runden müssen für den Marathon gelaufen werden. Nach unserem Start zieht sich das Feld schnell auseinander und ich laufe allein meine Kilometer ab. Dabei trage ich meinen Trinkrucksack, den man hier eigentlich nicht benötigen würde, da es auf der 10,5 km langen Runde zwei Verpflegungsstellen gibt. Ich möchte mich aber noch mehr an den Rucksack gewöhnen, da ich ihn ja in Kürze für viele, viele Stunden tragen werde.

So wie auf Föhr merke ich irgendwann, dass ich Kraft in den Beinen habe. Und dass ich ganz gut laufen kann, ohne zum Ende hin einzubrechen. Das ist für mich ein gutes Gefühl, denn nach dem Föhr Marathon waren ja nur zwei Tage lauffrei und ich bin schon wieder auf der Königsdisziplin unterwegs. Nach 4:39 Stunden beende ich meinen Marathon und freue mich darüber, dass ich wieder gut gelaufen bin. Kein „Loch“ zum Ende hin. Einfach kraftvoll und locker durch die 42,195 km.

Nur einen Tag später stehe ich schon wieder im Startfeld, dieses Mal beim offiziell fünften Spendenmarathon in Oelde. Für mich ist es „nur“ der Dritte in fünf Tagen. Hier geht es über sieben Runden von gut sechs Kilometern Länge mit einem VP direkt an der Pott’s Brauerei. Eigentlich würde man auch hier nicht unbedingt einen Trinkrucksack benötigen, aber auch jetzt nehme ich ihn mit. Alles Training. Ich weiß noch nicht so richtig, welchem Rucksack ich mich anvertraue. Ein paar Testläufe mit dem einen oder anderen können daher nicht schaden.

Jörg Pott startet uns mit einem besonderen Startschuss: einem Plopp aus einer Flasche alkoholfreiem Weizen. Und dann geht es los. Schnell finden wir uns zu dritt in einem Minigrüppchen zusammen. Mark, Arno und ich haben uns einiges zu erzählen und wir laufen fünf Runden gemeinsam in einem für mich flotten aber noch gut zu laufendem Tempo. Nach der fünften Runde bekomme ich erneut den Drang, es wieder laufen zu lassen. Warum auch immer. Vielleicht einfach weil es geht. Und so löse ich mich von unserer Laufgruppe und gebe Gas. Ich genieße es, bei meinem dritten Marathon in dieser Woche noch so laufen zu können. Nach dem komischen Ende des 6h-Laufs in Rheine hatte ich mir wirklich größere Sorgen gemacht. Ist das alles zu viel für mich? Habe ich mir zu viel vorgenommen? Trainiere ich zu viel? Aber anders schaffe ich die sooo lange Strecke an Pfingsten nicht. Ich muss lange Läufe trainieren. Nein. Ich will! Viele lange Läufe. Und regelmäßig. Aber es scheint ja doch alles gut zu gehen. Es läuft ja. Sogar sehr gut. Ich laufe weiter allein, zügig und locker. Und genießend. Und beende meine siebte Runde schließlich nach 4:33 Stunden. Damit bin ich superzufrieden. Mir geht es gut. Ich wälze mich nicht jammernd auf der Straße herum wie in Rheine. Es läuft einfach zurzeit. Das macht gute Gedanken im Hinblick auf Pfingsten. Hoffentlich bleibt es so.

Viele der hier laufenden Marathonis haben alle fünf Marathons hintereinander gemacht. Fünf Marathons in fünf Tagen. Bei dem Abschlussessen in der Pott’s Brauerei sitzen wir noch zusammen und fachsimpeln und träumen von zukünftigen Herausforderungen. Dabei komme ich mir vor, als hätte ich gar nicht so richtig etwas geleistet. Ich bin ja „nur“ drei Marathons in fünf Tagen gelaufen. Nicht fünf wie viele andere hier. So ein Gedanke ist völlig bescheuert. Das weiß ich. Aber er schwirrt trotzdem durch meinen Kopf. Irgendwie ist alles relativ.

Aber mir geht es gut. Ich bin gesund und habe keine Wehwehchen trotz des vielen Trainings. Ich bin fit und laufend gut drauf. Ich werde weiter trainieren. Nach meinem eigenen Plan. Nach meiner eigenen Vorstellung davon, was ich für so eine lange Distanz von 230 km vorher machen muss. Es sind nur noch sieben Wochen. Da wollen noch einige Laufabenteuer bestritten werden, bevor das Größte unter die Sohlen genommen wird. Ich bin bereit. Fast.

2 thoughts on “Doppeldecker bei den Spendenmarathons

  1. Hallo Frank,

    es ist schön zu lesen, dass Du so gut in Fahrt gekommen bist 🙂 Das lässt Dich sicher ruhiger schlafen und freut mich ungemein für Dich! Ich wünsche Dir sehr, dass es so weiter läuft und Du Dich verletzungsfrei und gesund bis Pfingsten vorbereiten kannst.

    Finny drückt Dir fest die Daumen!

    LG,
    Corinna

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